
Mit einem gut besuchten Fachtag unter dem Titel „Zwischen Kurve und Gesellschaft: Jugend im Wandel“ hat das Fanprojekt Oberhausen gemeinsam mit der Landesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte NRW die 11. Fußball-Kulturtage eröffnet und zugleich sein 15-jähriges Bestehen gefeiert.
Rund um die Frage, vor welchen Herausforderungen junge Menschen heute stehen und welche Rolle die Jugend- und Fanarbeit in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche einnimmt, kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Sozialer Arbeit, Fußball und Zivilgesellschaft im CVJM-Haus für junge Menschen zusammen.
Zu den Gästen und Grußrednern zählten unter anderem Jonas Theßeling vom Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen, Oberhausens 2. Bürgermeister Werner Nakot, DFB-Vertreter Lukas Keuser, Björn Ladeur vom Fachbereich Jugendförderung der Stadt Oberhausen, Dr. Heidi Giuliano-Thaler von der Koordinationsstelle Fanprojekte sowie zahlreiche weitere Fachkräfte und Kooperationspartner.

Den fachlichen Schwerpunkt des Tages setzte die Keynote von Dr. David Berchem von der Meldestelle für Diskriminierung im Fußball NRW (MeDiF-NRW). Ausgehend von aktuellen empirischen Beobachtungen und Analysen zeichnete Berchem ein differenziertes Bild der Lebensrealitäten junger Menschen in einer Zeit tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungen. Dabei beschrieb er die Folgen einer Vielzahl gleichzeitiger Krisen und Transformationsprozesse: die Nachwirkungen der Corona-Pandemie, Bildungsungleichheiten, veränderte Familienstrukturen, soziale Unsicherheiten und Armutsrisiken ebenso wie die Auswirkungen von Digitalisierung, Social Media, künstlicher Intelligenz und einer zunehmend polarisierten gesellschaftlichen Debattenkultur.

Berchem machte deutlich, dass junge Menschen heute häufig in einem Spannungsfeld aus Unsicherheit, Orientierungsbedarf und Zukunftssorgen aufwachsen. Die Vielzahl gesellschaftlicher Krisen und widersprüchlicher Erwartungen könne zu Orientierungslosigkeit und einem zunehmenden Zukunftspessimismus führen. Gleichzeitig suchen viele Jugendliche nach Zugehörigkeit, Identität und verlässlichen Erklärungen für ihre Lebenswirklichkeit. Gerade deshalb, so Berchem, komme sozialpädagogischen Angeboten und vertrauensvollen Beziehungsräumen eine besondere Bedeutung zu. Fanprojekte könnten hierbei einen wichtigen Beitrag leisten, indem sie Teilhabe ermöglichen, demokratische Werte stärken und junge Menschen bei ihrer persönlichen Entwicklung begleiten.
Die anschließende Diskussion griff diese Einschätzungen auf und schaute, welche Antworten Jugend- und Fanarbeit auf diese Entwicklungen geben kann. Dabei wurde deutlich, dass gerade langfristige Beziehungsarbeit, Vertrauen, Beteiligung und die Schaffung demokratischer Erfahrungsräume zentrale Voraussetzungen darstellen, um junge Menschen in ihrer Entwicklung zu begleiten und ihnen Orientierung zu bieten. Mit dem Fachtag ist zugleich der Startschuss für die diesjährigen Fußball-Kulturtage gefallen, die in den kommenden Wochen mit weiteren Veranstaltungen rund um Fußball, Gesellschaft und Kultur fortgesetzt werden.
